​​ Wasserwerk für Landesklinikum Weinviertel - BWT Best Water Technology 

BWT Austria GmbH

Neues Wasserwerk für Landesklinikum Weinviertel

2.4.2009 8:00   Mondsee

Anfang April 2009 wurde das neue Wasserwerk des Landesklinikums Weinviertel in Mistelbach seiner Bestimmung übergeben. Im zentralen Wasserwerk des Spitals erfolgt die Aufbereitung des eigenen Brunnenwassers zu Trink- und Brauchwasser, Dampfkessel-Speisewasser und Reinwasser für den medizinischen Bereich. Bei allen Aufbereitungslinien werden entsprechend dem Stand der Technik modernste Membranfilteranlagen als verfahrenstechnische Hauptmodule eingesetzt.

 
Die Erneuerung des Wasserwerkes war durch das hohe Alter des Anlagenbestandes notwendig geworden. Aufgrund der Aufbereitung mit säureregenerierten Ionenaustauschern war das Wasser außerdem stark aggressiv und verursachte massive Korrosionsschäden im gesamten Versorgungsnetz des Spitals.

Erfolgreiche Erneuerung bei laufendem Spitalsbetrieb
Dieser Neubau stellte eine extreme Herausforderung für die Planung und die praktische Umsetzung dar, da die Erneuerungsarbeiten ohne Unterbrechung des laufenden Spitalbetriebes erfolgen mussten. Als maximale Pufferzeit für die Versorgung aus dem Trinkwasservorrat wurden vom Betreiber 12 Stunden definiert.

Der technische Planer entwickelte ein Konzept, bei dem die Zentraleinheit der neuen Brunnenwas-seraufbereitung, die Nanofiltrationsanlage, in drei völlig autarken betriebsfertigen Linien zu je 1/3 der Gesamtleistung vorgefertigt wurde. Diese in Containern eingebauten Anlagen wurden auf dem Flachdach des Wasserwerkes aufgestellt und versorgten von dort aus über provisorische Rohrleitungen das Spital. Nach Beendigung des Abbruches der Altanlagen und der baulichen Restauration der Maschinenhallen wurden die neuen Anlagen in drei Abschnitten an ihren endgültigen Aufstellplatz übersiedelt. Die während des Transfers jeweils um 1/3 reduzierte Gesamtanlagenleistung konnte aus dem im Trinkwasserbehälter gespeicherten Volumen über einen Zeitraum von maximal 12 Stunden ausgeglichen werden. Auch die sonstigen Verfahrensmodule wurden, soweit technisch möglich, in transportablen Einheiten vorgefertigt angeliefert, um die Gesamtbauzeit zu verkürzen.

Modulare Trinkwasseraufbereitung
Das Brunnenwasser ist durch eine sehr hohe Mineralisierung von ca. 900 mg/l mit einer Summe Erdalkalien (Gesamthärte) von 5,5 mmol/l (30,9°dH) charakterisiert. Der Anteil der Karbonat Ionen der Erdalkalien (Karbonathärte) beträgt 4,2 mmol/l (23,5°dH), somit errechnen sich die Nichtkarbo-nat Ionen der Erdalkalien (Nichtkarbonathärte) mit 1,3 mmol/l (7,4°dH). Der hohe Gehalt an Eisen (0,8 mg/l) und Mangan (0,23 mg/l) erfordert eine Aufbereitung. Weiters ist eine Enthärtung des Wassers notwendig, um besonders im Warmwasserbereich die Geräte und Rohrleitungen vor massiver Versteinung (Verkalkung) zu schützen. Abgesehen von Querschnittsverengungen und schlechtem Energieübergang bieten diese Beläge ideale Bewuchsflächen für gefährliche Mikroorganismen wie z.B. Legionellen.

Die neue Trinkwasseraufbereitungsanlage besteht aus folgenden Verfahrensmodulen:

 

  • Enteisenungs– und Entmanganungsfilterstufe mittels Zugabe von Ozon als Oxidationsmittel
  • Aktivkohlefilterstufe zum Schutz der nachfolgenden Membrananlage
  • Membranfilterstufe mit Nanofiltrationsmodulen zur selektiven Reduktion des Gesamtsalzgehaltes, der Härte und der korrosionstechnisch relevanten Ionen wie Chlorid und Sulfat
  • Verschneidung des Permeats aus der Membrananlage mit eisen- und manganfreiem Wasser
  • Optimierung des pH-Wertes mittels Kohlensäure-Rieselentgaser
  • Zugabe von Chlordioxid zur nachhaltigen Desinfektion des Trinkwassers
  • Dosierung eines trinkwassergeeigneten Mineralstoffes zur Minderung bereits begonnener Korrosionen an Rohrleitungen
  • Verbrauchsgeregelte Pumpstation zur Netzversorgung des Spitals aus dem Trinkwasserbehäl-ter

 

Die vollautomatische Anlage mit einer Gesamtleistung von 30 m³/h ist redundant aufgebaut, sodass es bei eventuellen Störungen an Komponenten zu keinem Totalausfall der Trinkwasserversorgung kommen kann.

Reinwasser für den medizinischen Bereich
Für die Erzeugung des Reinwassers erfolgt eine weitere Aufbereitung des Trinkwassers mittels Ionenaustauch und Umkehrosmose. Nach einer Filtrationsstufe über Aktivkohle wird das Wasser mittels einer Ionenaustauschanlage komplett enthärtet. Anschließend wird es in einer zweistufigen Umkehrosmoseanlage bis auf einen Restsalzgehalt von < 5 µS/cm entsalzt. In einer nachgeschalteten Mischbettstufe wird dieser Restwert noch weiter reduziert. Eine verbrauchsgeregelte Pumpstation fördert das Wasser aus dem Reinwassertank über eine UV-Desinfektionsstufe und einen Wärmetauscher in das Reinwassernetz. Als Kühlmedium wird das auszuleitende Konzentratwasser der Trinkwasser-Nanofiltration nochmals verwendet. Aufgrund der besonderen Struktur des Reinwassernetzes werden bei kritischen Anwendungen Point-of-use Sterilfilter eingesetzt.
Die vollautomatische Anlage mit einer Gesamtleistung von 1,5 m³/h ist redundant (2 x 100%) aufge-baut und an das spitaleigene Notstromsystem angeschlossen, sodass eine durchgehende Reinwas-serversorgung gewährleistet ist.

 

Auf die hygienerelevante Planung und Ausführung der Trink- und Reinwasseranlagen unter besonderer Beachtung der Trinkwasserverordnung TWV (BGBl II-304/2001), sowie der Normen ÖNORM B 2531-1 (2004) und VDI 6023 (2006) wurde besonderer Wert gelegt (Wahl des geeigneten Werkstoffes – Korrosionsschutz – Kalkschutz – abschnittweise Reinigungen & Desinfektionen – kontinuierliche Durchströmung – keine Stagnation – bis hin zu geeigneten Probenahme Armaturen). Das neue Wasserwerk besitzt daher auch eine eigene CIP (clean in place) Anlage.

Dampfkessel-Speisewasser für Hochdruck- und Niederdruckdampfanlage
Ebenfalls aus dem Trinkwasser erzeugt wird das salzarme Dampfkessel-Speisewasser. Von der bestehenden Enthärtungsanlage für die Wäscherei wird ein Teilstrom entnommen, in einer Umkehrosmoseanlage entsalzt und in einer Tankanlage gespeichert. Mittels einer Pumpstation wird das salzarme Wasser bedarfsabhängig zum Kesselspeisewasserbehälter gefördert. Dabei werden dann die notwendigen Konditionierungsmittel mengenproportional zudosiert. Die vollautomatische RO-Anlage mit einer Gesamtleistung von 3,5 m³/h ist im Kesselhaus situiert.

Die in der Leitwarte situierte zentrale Steuerung kommuniziert mit den Anlagenmodulen und der Leittechnik des Spitals via Profibus, automatische Armaturen werden über ASI-Bus gesteuert.

Das Projekt
Auftraggeber:
Land Niederösterreich, NÖ Landeskliniken-Holding , Landesklinikum Weinviertel-Mistelbach

 

TGA Generalplanung:
Techn. Büro SAN.*C.O.*WENT/Scheiblingkirchen

 

Ausführung:
BWT Austria GmbH/Mondsee, Bereich GIT
Projektleitung: Hr. Jürgen Heiser , Bauleitung: Hr. Alfred Schindler

 

Subunternehmer Montage:
Straka GmbH/Laa a.d. Thaya